TopBlogs.de das Original - Blogverzeichnis | Blog Top Liste Das Elixier der Jugend Ein fantastischer Roman: Kurzgeschichten 2018 Francescos Garten

Kurzgeschichten 2018 Francescos Garten

Es war einmal ein überaus reicher Mann. Er war so reich, dass er gar nicht wußte, wie reich er eigentlich war. Allerdings hatte er — wie dies bei reichen Leuten häufig der Fall ist — so seine Eigenarten. Es war zwar nicht so, dass man nicht mit ihm umgehen konnte. Ganz im Gegenteil, sein Personal liebte ihn geradezu, denn er hatte immer ein offenes Ohr für die Nöte seiner Untergebenen und mehr als einmal öffnete er nicht nur sein Herz, sondern auch großzügig seine Brieftasche, wenn der Hilfesuchende in eine finanzielle Schieflage geraten war. Nur rein privat konnte man schwer mit ihm umgehen. So lebte er denn alleine in seinem großen schlossähnlichen Anwesen. Seine ganze Liebe widmete er Camilla,  seinem kleinen Hund, der recht gut in das Schloss passte, denn seine Rasse wurde oft auch als “Zarenhündchen” bezeichnet. Darüber hinaus liebte er nur noch seinen großen Garten. Es war dies eine kunstvolle Schöpfung welche mit all den berühmten Gärten des Barock Schritt halten konnte…So fanden sich auch  in prächtige Brunnen und Figurengruppen welche der griechischen und römischen Mythologie entlehnt waren.Sodann konnte man sich an einem chinesischen Tempel und einem  türkischen Teehäuschen erfreuen. Da ein typischer  Barockpark vor allem der Verherrlichung seines Besitzers diente, traf man  auch überall auf Allegorien auf die gesellschaftliche Stellung Francescos und seine erbrachten Leistungen. Natürlich war der Park auch in  eine bestimmte Abfolge von Gartenbereichen eingeteilt. Direkt vor der Gartenfassade des Schlosses befand sich das sogenannte Parterre, eine prächtig dekorierte terrassenähnliche  Fläche und geschaffen eigentlich nur für die Draufsicht aus dem “Piaono nobile” später nur noch bekannt als die “Beletage.” Dann durfte natürlich auch das Boskett, ein  Hecken- und Niederwaldbereich nicht fehlen.Von dem Boskett führen Wege in den weitläufigen Waldbereich des Parks. Allerdings war dieser sogenannte “Wald” nicht annähernd so groß wie seinerzeit im Barock, denn er musste ja nicht mehr die Funktion einer Nahrungserwerbsfläche erfüllen, denn er diente nicht mehr der Jagd. So war dieser “Wald” auch mehr ein “Wäldchen”, das nur wegen der korrekten Abfolge der Bereiche eines Barockgartens angelegt wurde.

Francesco verbrachte — bei fast jedem Wetter — fast den ganzen Tag in seinem Garten.  Wegen der gewaltigen Größe benutzte er meist einen kleinen Golfcart, so ein elektrisches Wägelchen, wie man es von Golfplätzen her kennt. Seine besondere Liebe galt aber einem  im an die östliche Grundstücksbegrenzung befindlichen Anteil des Gartens wo der Zugang nach “draußen” durch ein prächtiges großes schmiedeeisernes Tor verwehrt wurde. Es war dies eine hübsche Wiese mit etlichen Blumenrabatten und einem zierlichen Brunnen in der Mitte, alles verbunden durch feinsten, immer kurz geschnittenen, englischen Rasen. An den Rändern standen wundervolle alte Gingko-Bäume, ein uralte Eiche und eine wunderschöne Rotbuche. Das einzige, was Francesco stets ärgerte, dass die Blätter dann auf dem Rasen lagen vor allem, weil sie auch nicht nur im Herbst vereinzelt fallen, wie bei de Eiche und ganz besonders bei der eigenwilligen Rotbuche. 

Heute war aber ein besonderer Tag: das Licht schien weicher, geheimnisvoller, wie auf den Bildern von Claude Monet, Camille Pissaro und vor allem Pierre-Auguste Renoir, den Francesco wegen seines Kampfgeistes gegen die ihn befallenen körperlichen Gebrechen aufrichtig bewunderte. Im fortgeschrittenen Alter  zeigten sich bei Renoir die ersten Anzeichen von rheumatoider Arthritis, die fälschlicherweise als  Gicht diagnostiziert wurde. Trotz seiner Krankheit malte er unaufhörlich. Renoir, im Rollstuhl, ließ sich den Pinsel an die Hand binden, da er ihn nicht mehr halten konnte und bis er im Alter von 78 Jahren der Kunstwelt, bis auf seine über 6000 Werke, für immer verloren ging...
Francesco ging also heute durch seinen geliebten Garten, wie im Traum und war wieder an seinem bevorzugtem Blattaufsammelplatz in der Nähe des östlichen Einganges als plötzlich eine Schar Kinder hereinstürmte, gefolgt von einer offensichtlich verzweifelten Lehrerin, die wohl einen Klassenausflug machte. Die Kinder stürzten sich sofort auf Camilla, die entsetzt davon rannte, aber nicht mit der Ausdauer und Schnelligkeit der kleinen Teufel gerechnet hatte. Im weiteren Verlauf fand sie aber Gefallen an dem Einkriegezeck, so dass sich Francesco der Lehrerin, die sich als für diesen Job völlig ungeeignete Direktorin einer kleinen Privatschule in der Nähe entpuppte, widmen konnte. Obwohl, die Schullehrerin konnte er in ihr nun wirklich nicht sehen, sondern sie hatte eine ganz faszinierende hoheitsvolle Ausstrahlung und eine  ungeschminkte Natürlichkeit. Daher  fiel ihm sie ihm wohl auch völlig aufgelöst um den Hals und stammelte unverständliche Entschuldigungen von denen Francesco nur so viel verstand, als dass das Tor nicht abgesperrt war...Francesco ging mit seiner neuen unverhofften und auch unverdienten Eroberung zur nächsten Parkbank. Unverdient, weil  es eine überaus attraktive Frau mittleren Alters, die zudem für die Raubtierbändigung völlig unpassend gekleidet war, was aber Francesco als äußerst angenehm empfand. Sie trug einen engen roten Rock und eine weiße Seidenbluse, die ihren wohlgeformten Busen mehr zur Schau stellte als verbarg, denn sie trug keinen BH darunter, den sie auch ganz gewiß nicht benötigte — es sei denn um Francesco um den Anblick Ihrer bei jeder Bewegung  leicht hüpfenden Brüste zu bringen.Sie hatte zu einer Mähne auftoupirte blonde Haare und Augen von einem unwahrscheinlichen Blau -- wie die  Schauspieler Hans Albers oder Terrence Hill, obwohl dies bei der verführerischen Gestalt der jungen Frau sicher ein unpassender Vergleich war. Unverblümt sagte Sie plötzlich: “Ich heiße Rafaela. Und Du? Was machst Du hier überhaupt?” Um ein wenig Haltung zu gewinnen ging Francesco zu einem kleinen Gegenangriff über. “Ja, äh, ich heiße Francesco. Aber sag einmal Rafaela: meinst Du nicht auch, dass Dein  — unzweifelhaft attraktives Outfit — ein wenig unpassend ist, um diese Rasselbande zu bändigen?” Darauf konnte Rafaela nicht umhin dem zuzustimmen, Sie erklärte, dass sie eigentlich auf eine Vernissage wollte, wo sie eine leitende Funktion innehabe und dass sie deshalb so gekleidet sei. Normalerweise sei sie viel keuscher — ja sie nannte es wirklich so — angezogen. Aber, um in dieser etwas schrägen Kunstwelt sich zu behaupten, müsse sie sich ein wenig “Aufbrezeln”. Dabei zog sie rasch eine mitgebrachte Strickjacke über, als sie bemerkte, dass Francesco nicht den Blick von Ihrem Busen lassen konnte und murmelte, den bei Frauen allzeit beliebte Spruch: “Männer!”
Damit hatte sie das Duell gewonnen und Francesco blickte betreten zum Boden. Doch dann ergriff er gleich wieder die Initiative: “Ja um Deine Frage zu beantworten: “Ich pflege hier ein wenig den Garten…” 

Daraufhin erklärte er ihr seinen Kummer mit den Blättern und erläuterte, um sein Wissen kundzutun (auch wieder typisch Mann): “Der Blattfall wird bei Bäumen und Sträuchern nämlich durch ein Trenngewebe am Ansatz des Blattstiels verursacht, wo auch die Wasserleitungsbahnen verlaufen. Ist keine der Bruchstellen in den Leitsträngen eingebaut, brechen die toten Blätter erst viel später ab. Das ist in der Regel, wenn das Blatt anfängt zu verrotten...: Wenn Verrottungsprozesse begonnen haben oder die Leitstränge durch beginnendes Dickenwachstum des Astes beim Neuaustrieb im Frühjahr abgerissen werden. Bei der (Rot-) Buche und der Eiche ist  das sehr häufig der Fall. “Ja und?” entgegnete Rafaela. “Das ist doch die Natur!” “Aber nicht in meinem Garten!”, rief Francesco laut aus, denn er  wollte sich nicht damit abfinden, dass dies zur Natur gehört und versuchte — wie im Geschäftsleben, wo er damit auch einen Großteil seines Erfolges begründet hatte — seine Ideen durchzusetzen. “Aber”, entgegnete Rafaela, jetzt ganz Schulmeisterin, “gegen die Natur ist dies ein absoluter ungleicher Kampf mit einer vorprogrammierten Niederlage Deinerseits”. Francesco stand auf und sammelte fein säuberlich jedes gefallene Blatt auf, was Rafaela mit einem Kopfschütteln quittierte, worauf Francesco sagte: “Ja das meint  mein alten Gärtner auch immer Er sagt jedesmal, sobald er mich dabei sieht: “Was der junge Herr da macht ist wieder die Natur! So ist das kein Garten mehr!” Dann  schlurfte er davon mit seiner quietschenden alten Lore, die er sich auch nicht durch eine neue, vor allem leichtere, ersetzen ließ.”Ja aber Recht hat er!” rief Rafaela jetzt zunehmend erregt aus. “Hör sofort damit auf! Doch was meint der Gärtner mit “der junge Herr”? Du siehst doch gar nicht danach aus, sondern eher wie , eben ein Gärtner.” Nu ja”, antwortete Francesco, der augenblicklich bereute, seine Tarnung aufgegeben zu haben, weil er befürchtete, dass die so unbedarft begonnene Konversation mit seiner neuen Bekannten ein jähes Ende haben würde. “Mir gehört das Ganze nun einmal…” Ein ungläubiges Staunen überfuhr das hübsche Gesicht von Rafaela und Ihre blauen Augen leuchteten noch heller. Dann fing sie sich wieder und bemerkte: “Warum nicht. Mir glaubst Du sicher auch nicht, dass ich eine richtige Contessa bin. Meine Familie hat umfangreiche Weingüter in der Toskana und ein bezauberndes Podere in Spazzavento, einem kleinen Ort nahe Pistoia.” Nun, was soll ich dazu sagen. Ich gehe gern nach dem ersten Eindruck.” Rafaela guckte ihn böse an und zog Ihre Jacke noch fester um ihre Brust. Francesco lachte herzerfrischend, so dass das sich ihr Gesicht  augenblicklich aufhellte und sie ihn mit dem bezauberstem Lächeln der Welt ansah. “Und was meint der “junge Herr” denn nun damit?” Jetzt hatte Francesco wieder Oberwasser. “Ich bin kein Mönch und beileibe kein Asket, aber ich bin dennoch ein Mann, was meine weiblichen Patientinnen, ich bin zudem noch Arzt, nur zu gerne vergessen indem sie sagen: “Aber sie sind doch Doktor.” indem sie ungeniert, sich ihrer Kleider entledigen…”Nein Versuchungen habe ich genug und bin, wenn es ums berufliche geht, da gestählt. Aber dieser unverhoffte so lieb- und aufreizende Anblick”, dabei schaute er unverblümt auf die nun leider verhüllten Brüstchen der jungen Frau, “Das hat mich zugegebenermaßen etwas aus der Bahn geworfen. Aber dieser Effekt war ja wohl durch dieses Outfit bei der Vernissage wohl erwünscht gewesen…” “Was für ein kluges Kerlchen mein Francisco doch ist!” säuselte sie. “Nun sag aber schon. Was war also Dein erster Eindruck von mir?” Francesco wurde etwas verlegen. “Ja weißt Du, von Dir ging etwas hoheitsvolles, eigentlich unnahbares und extrem faszinierendes aus. Aber nun bin ich ja auch in meiner Ansicht bestätigt. Du bist ja eine richtige Contessa!” Über dieses anregende und auch mit einem gewissen Prickeln gewürzte Gespräch, vergaß Francesco völlig seinen Blattaufsammel-Tick und die Contessa ihre Kinderschar, die inzwischen die Wiese völlig in Besitz genommen hatten, was etlich geknickte Sträucher und — von den Bäumen gefallene Blätter zur Folge hatte...In dem Moment kam der alte Gärtner mit seiner Quietsche-Lore vorbeigeschlurft und sagte anerkennend: “Ja endlich haben es der junge Herr verstanden. So ist es ein Garten!”  und zu Francesca gewandt: “Haben Sie das geschafft? Respekt! Mir ist das in all den Jahren, die ich den Garten betreue nicht gelungen!” “Ja sie war es wohl!”, antwortete Francesco glücklich lächelnd und nahm dabei Rafaela in die Arme. Rafaela hat mir wohl der Himmel geschickt oder das Schicksal.” und Rafaela vervollständigte, spitzbübisch lächelnd, den Satz: “ Oder sagen wir: es war die Natur???”










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